Pressemeldung  18. Dezember 2020, Ensdorf  – Grüne Halde Hirschbach wird für Folgenutzung vorbereitet

Bergehalde Hirschbach in Dudweiler wird für Folgenutzung vorbereitet

Digitaler Bürgerdialog zur Sanierung und Endgestaltung von Halde und Absinkweiher

Die Bergehalde Hirschbach in Dudweiler wird saniert und endgestaltet. Dafür wird die RAG Montan Immobilien GmbH im Auftrag der RAG Aktiengesellschaft mit den Sanierungsarbeiten an der Halde und dem Absinkweiher beginnen. Diese Arbeiten sind Voraussetzung, dass die Bergaufsicht für die Fläche beendet werden kann. Dann ist der Weg für eine mögliche Folgenutzung frei. Wann die Arbeiten beginnen, wie sie ausgeführt werden und wie eine mögliche Folgenutzung aussehen könnte, darüber informierte das Unternehmen gestern (17. Dezember) in einem digitalen Bürgerdialog.

„Wir hätten diesen Termin gerne vor Ort auf der Halde Hirschbach durchgeführt. Aber auf Grund der Corona-Lage konnten wir dies nicht umsetzen“, erklärte Rudolf Krumm, Prokurist der RAG Montan Immobilien, zu Beginn der Veranstaltung. Aus diesem Grund habe man sich entschieden, neue Wege zu gehen. „Es ist wichtig, solche Arbeiten im Vorfeld der Maßnahme den Bürgern, vor allem den direkten Anwohnern, transparent vorzustellen und Fragen zu beantworten.“

Rund zwei Jahre werden die Arbeiten in Anspruch nehmen. „Wir gehen heute davon aus, dass die Bergaufsicht Ende 2023 beendet werden kann“, erläuterte Hendrik Dörr, Projektingenieur der RAG Montan Immobilien, den Zeitplan. Dann ist der Weg für eine mögliche Folgenutzung frei. „Zunächst nutzen wir die Zeit bis Ende Februar für die notwendigen Rodungs- und Freischneidearbeiten. Diese sind notwendig, da die übersteilen Böschungen im süd-/südöstlichen Teil der 27 Hektar großen Halde abgeflacht werden müssen, um die Standsicherheit der Halde dauerhaft herzustellen. „Und dies funktioniert natürlich nur, wenn wir auch an die Flanken rankommen“, so Dörr. Auch in einem Teilbereich des ehemaligen Absinkweihers werden solche Arbeiten durchgeführt. Der eigentliche Baubeginn ist dann für Sommer 2021 vorgesehen.  

Neben den standsicheren Haldenflanken wird auch ein geordnetes Entwässerungssystem für die Oberflächenwässer angelegt. Beides Voraussetzung, dass die Bergaufsicht beendet werden kann. „Beendigung der Bergaufsicht bedeutet, es dürfen keine Gefahren mehr von der Halde ausgehen und eine Folgenutzung muss vorbereitet sein“, erläuterte Dörr.

Um den ehemaligen Absinkweiher zu begrünen, wurde in den 80er Jahren Bergematerial mit Papierschlamm als Bodenverbesserer vermischt und in einem genehmigten Verfahren auf die Fläche des Absinkweihers aufgebracht. „Bei den Voruntersuchungen zur Sanierungsplanung haben wir festgestellt, dass die Messwerte von Cyanid an einzelnen Stellen überschritten werden“, erläuterte Dörr. Diese Cyanide stammen aus den Papierschlämmen und resultieren daraus, dass mit diesem Stoff die Tinte aus dem Papier gelöst wurde. Um eine mögliche Aufnahme durch Verschlucken oder Aufnahme durch die Haut (Staub) zu vermeiden, wird die gesamte Fläche mit dem anfallenden sauberen Bergematerial aus den Flanken großzügig abgedeckt. „Laut Gutachten ist eine Abdeckung von 50 Zentimetern notwendig. Wir werden aber mindestens einen Meter, dort wo die Topografie es erlaubt, sogar zwei Meter hoch abdecken.“ Eine Gefährdung des Grundwassers besteht nicht. Dies haben die Ergebnisse eines jahrelangen Monitorings gezeigt.

Insgesamt bewegt die RAG Montan Immobilien in der zweijährigen Sanierungszeit 170.000 Kubikmeter Massen. Die Baustelleneinrichtung erfolgt auf dem Gelände der ehemaligen Zentralwerkstatt. Die Massen selbst werden per LKW innerhalb des Baufeldes, also auf der Halde, transportiert, so dass die Anwohnerstraßen nur in Ausnahmefällen tangiert sind. „Zur Baustellensicherheit müssen wir den Arbeitsbereich mit Bauzaun sichern und während der Rodungsphase wird wohl das Parken in der Mainstraße und im Rehgrabenweg kurzzeitig eingeschränkt sein. Ansonsten versuchen wir den öffentlichen Raum so gut es geht zu meiden“, so Dörr. Während der Bauphase wird es zu baustellentypischem Lärm und Staub kommen, den das Unternehmen so gering wie möglich halten will. „Wir werden moderne Baumaschinen einsetzen, um den Lärm möglichst gering zu halten. Und selbstverständlich werden wir auch einer eventuellen Staubentwicklung mittels Bewässerung entgegenwirken.“ Aber, auch das gehöre zur Wahrheit: „Es ist eine Baustelle und geräuschlos werden die Arbeiten nicht erfolgen können.“ Die Maßnahmen werden zu normal üblichen Arbeitszeiten während der Woche (Montag bis Freitag) von 7.00 bis 17.00 Uhr durchgeführt.

Neben den ausführlichen Informationen zu den Sanierungsmaßnahmen erläuterte Dörr auch die notwendigen ökologischen Maßnahmen. So wird die Landschaftsagentur Plus, eine 100 prozentige Tochtergesellschaft der RAG Montan Immobilien, zu Beginn der Rodungs- und Bauphase die Mauereidechsen in ein angrenzendes Ersatzhabitat (Lebensraum) umsiedeln. Zudem wird sie in den nicht von den Baumaßnahmen betroffenen Bereichen der Halde Nistkästen aufhängen, um den Wegfall der Nistmöglichkeiten zu kompensieren. Nach Beendigung der Baumaßnahmen wird die RAG Montan Immobilien die Haldenflanken mit einer Anspritzbegrünung versehen. Die Anspritzbegrünung dient der Vorbeugung vor Erosionsschäden, ermöglicht aber auch eine möglichst rasche Wiederbegrünung der Fläche beziehungsweise eine Beschleunigung der natürlichen Sukzession. Die Weiherfläche wird in Abstimmung mit den Behörden und etwaigen Folgenutzern naturnah gestaltet. Für den Eingriff in die Ökologie wird das Unternehmen Ersatzmaßnahmen im gleichen Naturraum mit der Behörde abstimmen. So könne man sich beispielsweise einen weiteren Abschnitt der Sulzbachrenaturierung vorstellen, erklärte Dörr.

Alle Maßnahmen sind mit den zuständigen Fachbehörden abgestimmt und durch das Bergamt Saarbrücken genehmigt.

Die Frage nach einer Folgenutzung konnten die Vertreter der RAG Montan Immobilien abschließend nicht beantworten. „Wir führen derzeit Gespräche mit der Stadt“, erläuterte Prokurist Krumm. Nähere Einzelheiten könnten auf Grund des laufenden Verfahrens aber noch nicht gemacht werden. Fakt sei, die Halde ist und bleibt grün. „Entweder wir haben hier in Zukunft eine nicht zugängliche grüne Privatfläche oder eine öffentlich zugängliche Grünfläche zur Naherholung.“

Für Fragen steht der zuständige Projektingenieur Hendrik Dörr, telefonisch unter 06831 4889 3700, oder per Mail: Hendrik.Doerr@rag-montan-immobilien.de zur Verfügung.

Anspritzbegrünung:

Anspritzbegrünung, auch Nassansaat genannt, ist ein ingenieurbiologisches Verfahren zur schnellen Begrünung von Flächen. Hierbei wird Saatgut und organischer Kleber mit Wasser (Trägersubstanz) vermischt und direkt auf dem Bergematerial aufgetragen – ohne Beigabe von Bodenmassen.