Grundlagen des Grubenwasserkonzepts

Warum wurde das Grubenwasserkonzept entwickelt?

Die sozialverträgliche Beendigung des subventionierten Steinkohlenbergbaus stellt zusammen mit den Ewigkeitsaufgaben eine große gesellschaftliche Aufgabe in den betroffenen Kohlenrevieren dar. Zu den Ewigkeitsaufgaben an der Saar zählt die langfristige Optimierung der Grubenwasserhaltung. Im sogenannten Erblastenvertrag ist die RAG verpflichtet worden, der saarländischen Landesregierung hierzu ein Konzept vorzulegen.

Grubenwasserkonzept: Verpflichtung aus dem Erblastenvertrag

Eine Grubenwasserhaltung zu betreiben, ist mit hohem Aufwand verbunden. Allein die Pumpen der Wasserhaltungen an der Saar verbrauchen – wenn sie alle in Betrieb sind – den Strom von 17.000 Haushalten. Die Grubenwasserhaltungen ohne Notwendigkeit auf ewige Zeiten weiterlaufen zu lassen, wäre nicht vernünftig und gegenüber künftigen Generationen nicht zu verantworten.

Infografik: Schematische Darstellung der Akteure und ihrer Aufgaben im Rahmen des Grubenwasserkonzepts

Infografik: Schematische Darstellung der Akteure und ihrer Aufgaben im Rahmen des Grubenwasserkonzepts.

Was sieht das Grubenwasserkonzept vor?

Das Grubenwasserkonzept für die Saar sieht einen Anstieg des Grubenwassers in zwei Phasen vor, sodass es in der Zeit nach 2035 bei Ensdorf die Tagesoberfläche erreicht und in die Saar eingeleitet werden kann. Dies entlastet Flüsse und Umwelt, spart Energie und Kosten.

Video: Darstellung des Grubenwasserkonzepts der RAG an der Saar.

Grubenwasseranstieg in Phase 1

Ausgehend vom Status quo ist im Grubenwasserkonzept in Phase 1 vorgesehen, die Wasserhaltung Reden einzustellen und das Grubenwasser in der Wasserprovinz Reden von ‐600 m NN um 280 m auf -320 m NN, mit Überlauf in die Wasserprovinz Duhamel, ansteigen zu lassen. Dies wird nach der Zulassung einen Zeitraum von drei bis vier Jahren erfordern. Derzeit wird in Reden mit 13,9 Mio. m3 die mit Abstand größte Grubenwassermenge gefördert und über Klinkenbach, Sinnerbach und Blies bei Saargemünd in die Saar eingeleitet. Diese Zuflüsse der Saar würden nach Phase 1 auf einer Länge von 87 Flusskilometern künftig frei von Grubenwasser sein.

Der Grubenwasseranstieg in Phase 1 ist notwendig, um die im Gutachten der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KMPG bei der Berechnung der Ewigkeitskosten unterstellten Pumphöhen überhaupt erst zu erreichen.

Schematische Darstellung des geplanten Grubenwasseranstiegs in den Wasserprovinzen Reden und Duhamel auf -320 m NN (Phase 1 des Grubenwasserkonzepts)

Infografik: Schematische Darstellung des geplanten Grubenwasseranstiegs in den Wasserprovinzen Reden und Duhamel auf -320 m NN (Phase 1 des Grubenwasserkonzepts).

Grubenwasseranstieg in Phase 2

Im Erblastenvertrag, den die Kohleländer NRW und Saarland mit der RAG‐Stiftung geschlossen haben, ist die RAG verpflichtet worden, über das KPMG‐Gutachten hinausgehende Überlegungen zur weiteren langfristigen Optimierung der Wasserhaltung vorzulegen.

Dazu sollen in einer späteren Phase 2 auch die übrigen Wasserhaltungen Luisenthal, Viktoria und Camphausen, die zurzeit zusammen etwa 3,9 Mio. m3 Grubenwasser pumpen, nach und nach eingestellt werden, um das Grubenwasser weiter ansteigen zu lassen. Auf diese Weise würde sich ein einheitlicher Grubenwasserspiegel im gesamten Saarrevier ausbilden. Am saarnahen Standort Duhamel wird schließlich das Grubenwasser bei einem Wasserstand von rund +190 m NN voraussichtlich nach dem Jahr 2035 die Tagesoberfläche erreichen. Von dort kann es ohne Einsatz von Pumpen in die Saar eingeleitet werden.

Schematische Darstellung des geplanten Grubenwasseranstiegs in den Wasserprovinzen Reden und Duhamel auf 190 m NN (Phase 2 des Grubenwasserkonzepts)

Infografik: Schematische Darstellung des geplanten Grubenwasseranstiegs in den Wasserprovinzen Reden und Duhamel auf 190 m NN (Phase 2 des Grubenwasserkonzepts).

Schutzziele haben Vorrang vor Kosten

Der Schutz von Mensch und Umwelt hat höchste Priorität beim kontrollierten Grubenwasseranstieg. Das Grubenwasserkonzept benennt dazu explizit vier Schutzziele, die während des gesamten Prozesses zu gewährleisten sind:

  • Keine Gefährdung des Trinkwassers
    Die Trinkwasservorkommen im Saarland liegen größtenteils außerhalb der vom Grubenwasseranstieg betroffenen Gebiete. Zudem werden bei einem Grubenwasseranstieg auf ‐320 m NN in Phase 1 die Trinkwasser führenden Schichten nicht erreicht: Zwischen dem Niveau des Grubenwassers und den Grundwasser führenden Schichten liegen einige hundert Meter massiver Gebirgskörper. Des Weiteren sind die Trinkwasserreservoire mit einer wasserundurchlässigen Basisabdichtung versehen, sodass sie sich nicht in tiefere Gebirgsschichten entleeren können. Diese Abdichtung stellt umgekehrt auch eine verlässliche geologische Barriere gegen aufsteigende Grubenwasser dar, sodass es auch in Phase 2 nicht zu einer Gefährdung des Trinkwassers kommen wird.
     
  • Keine größeren Bergschäden durch Hebungen
    Durch den geplanten Grubenwasseranstieg sind Bodenbewegungen an der Tagesoberfläche möglich. Der Grubenwasseranstieg zieht Veränderungen im Wasserhaushalt eines Gebirgskörpers nach sich. Grundsätzlich sind durch den Anstieg Bergschäden nicht völlig auszuschließen. Die zu erwartende Größenordnung stellt aber nur einen Bruchteil der durch den Abbau von Steinkohle bedingten Bodenbewegungen dar. Schäden von einigem Gewicht sind nicht zu erwarten. Das zeigen auch die jüngsten Erfahrungen aus der Wasserprovinz Warndt. Dort ist seit rund sieben Jahren das Grubenwasser um etwa 900 m angestiegen. Die Hebungen sind bisher sehr gleichmäßig verlaufen und betragen maximal knapp 30 cm. Hebungsbedingte Schäden sind nicht bekannt.
     
  • Keine unkontrollierten Methangasaustritte
    Im Bereich der saarländischen Steinkohlenlagerstätte ist eine Vielzahl von Naturgasaustrittsstellen bekannt, die im Rahmen eines Monitoring‐Programms beobachtet werden. An diesen Stellen tritt Methan (CH4) aus der Kohlenlagerstätte aus. Das ist ein natürlicher Prozess. Neben der RAG sind auch die Bergbehörde, die Stadtwerke Saarbrücken sowie die STEAG für Grubengasaustrittsstellen zuständig. Mit dem Grubenwasseranstieg kann sich der Gasaustritt durch das aufsteigende Wasser zunächst erhöhen und wird sich dann voraussichtlich nach und nach verringern, da das Wasser das Gas in den Poren einschließt und damit den Austritt unterbindet. Die RAG führt zurzeit durch eine Erkundungsbohrung einen kontrollierten Austritt herbei. Beim Grubenwasseranstieg sind daher keine unkontrollierten Gasaustritte zu erwarten. 
     
  • Keine Gefährdung durch Tagesbrüche
    Tagesbrüche in Verbindung mit dem Grubenwasseranstieg in Phase 1 sind nicht zu erwarten. Der oberflächennahe Abbau fand teilweise in den obersten 50 m Tiefe statt. Die Stollen des oberflächennahen Abbaus werden durch den Grubenwasserspiegel von ‐320 m NN nicht erreicht. In den Wasserprovinzen Reden und Duhamel wurden 42 Schächte identifiziert, deren Tiefe bis in das angestrebte Grubenwasserniveau reicht. Ihre Standsicherheit wird durch den geplanten Grubenwasseranstieg nicht gefährdet. Vor Phase 2 werden, falls notwendig, alte Stollen und Schächte gesichert.

Kontrolle der Grubenwasserqualität

Bereits heute wird das Grubenwasser regelmäßig durch unabhängige Institute beprobt und analysiert. Bisher haben die Untersuchungen keine Auffälligkeiten und Verunreinigungen ergeben. Sollten sich beim geplanten Grubenwasseranstieg wider Erwarten Gefährdungen zeigen, könnte der weitere Anstieg jederzeit und in jeder Höhe kurzfristig gestoppt werden.

Kontrollierter Anstieg des Grubenwassers

Ein kontrollierter Grubenwasseranstieg erfordert, dass der Wasseranstieg prozessbegleitend überwacht wird, jederzeit gesteuert und auf jeder Höhe gestoppt werden kann. Dazu werden die vorhandenen untertägigen Wasserhaltungen zu sogenannten „Brunnenwasserhaltungen“ umgebaut: Moderne Tauchmotorpumpen werden von über Tage in die Schächte hinabgelassen. Im Gegensatz zum Einsatz von stationären Kreiselpumpen werden keine Maschinenräume und Frischluftzufuhr unter Tage benötigt. Diese Tauchpumpen werden dem ansteigenden Wasser nachgeführt und können jederzeit den Pumpbetrieb aufnehmen und den Wasseranstieg stoppen.